|
|
|
|
 |
Mehr Vielfalt, mehr Feinheiten
Nach der Besinnung auf das bauliche Erbe in unseren Städten schienen die Abriss-Orgien vorbei. Zugleich wurde man sensibler für den Wert der alten Bausubstanz, der nicht nur im Ästhetischen lag. Allmählich auch wurde sichtbar, dass billig bauen teuer ist. Rasche Alterung der nur 20 Jahre alten Betonburgen und -brücken bewies das. Eine neue, ökologischere Betrachtungsweise zog verbesserte Isolation der Neubauten nach sich. Und die Architekten fingen an darüber nachzudenken, wie sich ein Neubau in ein Altbau-Ensemble einfügen werde.
|
 |
 |
Das Bauhaus ist wieder da, und auch der Klinker meldet sich zurück
Neben vielen Entwürfen, die die Besinnung auf das Bauhaus deutlich zeigten, kamen die Bauherren auch wieder auf die Qualität der Bauten aus der Schumacher-Ära zurück. Eine deutliche Sprache sprach die Tatsache, dass unter den von Schumacher geplanten Schulgebäuden eine besonders hohe Anzahl den Krieg überlebt hatte, was von ihrer sorgfältige Errichtung Zeugnis ablegte. Auch findet man wieder an der Kombination von rotem Klinker mit Kupfergrün Geschmack.
Die Bedeutung von Glasflächen als Gestaltungselement nimmt enorm an Bedeutung zu. Während die Fenster in der Schumacher-Ära relativ klein blieben, bilden sie jetzt Flächen, die den Steinflächen gleichwertig gegenüberteten.
|
 |
 |
Monotonie sollte vermieden werden, das zeigen viele Entwürfe. Rechts das Hafen-Hotel Hamburg. Auf einem Klinkersockel baut der Turm auf, der mit eloxiertem Metall verkleidet ist. Filigrane Details wie die Wendeltreppen verraten, dass die Ära des Brutalismus vorbei ist.
Ein Teil des Ensembles integriert einen 150 Jahre alten Traditionsbau, der aufwendig verstärkt wurde, um das verglaste Restaurant tragen zu können. Noch vor 40 Jahren hätte man wahrscheinlich nicht lange gefackelt, sondern abgerissen.
Auch Einkaufzentren in der City wie das Hanse-Viertel und die Galleria zeigen, dass mehr Anschluss an die Geschichte der Stadt gesucht wird, nicht mehr nur ihre Überwindung.
|
|
|
Die Farbkombination der Schumacher-Stadt ist wieder da. Glasierte Kacheln lockern die sonst gigantische Schwere des Dovenhofs (oben) maßvoll verspielt auf.

|

|
Der Neubau der Galleria am Bleichenfleet beantwortet den historischen Turm, ohne ihn zu deklassieren, und verleiht dem früher eher düsteren Fleet etwas Venezianisches.
|
|

Der Bahnhof St. Pauli, Anlaufstelle von sportlichen und anderen Vergnügungen. Das Dach über der U-Bahn-Station wogt und möchte scheinbar abheben in dieser windigen Stadt. Zugleich schützt es, ohne zu beengen.
Die Moderne gibt sich verspielt.
|

Die Galerie der Gegenwart, Teil der Kunsthalle, nah dem Hauptbahnhof. Denkt man da nicht an den Dogenpalast in Venedig? Zugleich geht der Erbauer damit wieder auf das spätbiedermeierliche, weiße Hamburg ein. Der Bau stammt von Oswald Mathias Ungers und scheint mir unter seinen Werken ein besonders gelungenes. Ein simpler Kubus, harmonisch durch kleiner werdende Vierecke unterteilt, die größte Transparenz befindet sich paradoxerweise an der Basis, das verleiht dem Bau Spannung.
Die Formen-Vielfalt, vor allem der Geschäftsbauten und öffentlichen Projekte, hebt sich wohltuend von der Masse der Bauprodukte aus den 60er/70er Jahren ab.
Der private Wohnbau bleibt auch in dieser Epoche bei bewährten Konzepten eines modernisierten Heimatschutzstils.
|


Zwei Ansichten der Galerie der Gegenwart, am Abend und bei Tag
|
|
|
|
|
|
|