Oberbayern: Luxusregion am Alpenrand

Betrachtet man die immo-meter-Deutschlandkarte, fällt die Region Oberbayern sofort auf. Die Quadratmeterpreise liegen deutlich höher als in anderen Regionen der Bundesrepublik. Als Spitzenstandort ist München zu erkennen, eingebettet in ein nicht weniger attraktives Umland, das von der Landeshauptstadt zu profitieren scheint. Wie kommt es eigentlich, dass diese Region sich preislich so deutlich von anderen Regionen Deutschlands abhebt? Eine Nahaufnahme. 

In Hamburg sind wir stolz auf unsere lebenswerte Stadt und auch auf die hiesige Wirtschaft. Die Hansestadt belegt in diversen Rankings (Dynamik, Wirtschaftswachstum, Attraktivität) einen der Top 10 Plätze. Doch besser schneiden fast immer München[1] oder die Landkreise um München ab, wie z.B. Freising oder Starnberg. Auch im EU-Vergleich nimmt die Region München bei der Wirtschaftskraft eine Spitzenrolle ein. Die Auswirkung der Wirtschaftskraft auf den Bodenpreis ist ubiquitär, aber wieso fällt letzterer dort so pägnant aus? 

In erster Linie hat sich die Region München zu einem bedeutenden Hightech-Standort entwickelt. Dieser forschungsintensive Sektor hat vor allem in den letzten 15 Jahren als Motor für überdurchschnittlich hohes Beschäftigungswachstum fungiert – insbesondere bei Akademikern und hochqualifizierten Handwerkern. Zu der Hightech-Branche zählen die Bereiche Softwareentwicklung, Biotechnologie, Luft- und Raumfahrt, Nanotechnologie sowie Umwelttechnik. All diese Bereiche sind in und um München besonders stark vertreten. Im Jahr 2007 existierten allein in der Region München ca. 22.300 Unternehmen aus der IT-, Software-, Kommunikations- und Medienbranche mit ca. 187.000 Beschäftigten.[2] Das ist bundesweit Spitze.

Vor allem die Biotechnologie und die Pharmaindustrie sind besonders stark konzentriert. Rund 400 Unternehmen mit ca. 30.000 Beschäftigten erwirtschafteten im Jahr 2008 einen Umsatz von 10,5 Milliarden Euro.[3] Als Quelle dieser Entwicklung sind die bestehenden Standorte öffentlicher und privater Großforschungseinrichtungen anzusehen, wie z.B. die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie, das Klinikum Großhadern und das Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität sowie das Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie. Seit der Mitte der 1990er Jahre fanden in räumlicher Nähe zu diesen renommierten Einrichtungen viele unternehmerische Neugründungen statt, vor allem in Freising und Planegg/Martinsried. In Freising-Weihenstephan bildete sich ein Cluster der grünen Biotechnologie (Ernährung und Landwirtschaft) und in Planegg/Martinsried ein Cluster der roten Biotechnologie (Medizin/ Pharmazeutik) heraus. Die räumliche Nachbarschaft zum Wissenschaftszentrum für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der TU München (seit 2006 Elite-Universität) und zur Fachhochschule Weihenstephan waren ausschlaggebende Faktoren für diese räumliche Ballung. So entstanden in den folgenden Jahren immer weitere Unternehmen, die sich vergrößerten und auch vom Freistaat Bayern gefördert wurden.

Darüber hinaus spielt das verarbeitende Gewerbe in Oberbayern eine zentrale Rolle, weil es u. a. für die Hightech-Unternehmen wichtige Geräte und Bestandteile liefert. Zu diesem Gewerbe gehören u. a. die Bereiche: Kraftwagen/ -teile, Maschinenbau, chemische und Metallerzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte und elektrische Ausrüstungen. Auf die Automobilindustrie entfallen 48 % der Umsätze und ein Viertel der Beschäftigten in Oberbayern.[4] Im Jahr 2009 haben in 1.809 Betrieben des verarbeitenden Sektors ca. 311.000 Beschäftigte einen Umsatz von rd. 110 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dieses entspricht einem Umsatzanteil an der gesamtbayerischen Industrie von 40,1 %, bei einer Exportquote von 57 %. Das Bruttoentgelt je Beschäftigten betrug 50.451,- Euro.

Neben den exzellenten universitären Bildungseinrichtungen in München, die als Hauptursache für die Ansiedlung von Hightech-Firmen betrachtet werden kann, hat sich auch das stark vertretene verarbeitende Gewerbe zum Wachstumsmotor der Hightech-Branche heraus kristallisiert. Als dritter Grund ist der 1992 entstandene Großflughafen München „Franz Josef Strauß“ zu nennen, weil die schnelle Erreichbarkeit eines Großflughafens für viele internationale Unternehmen des Hightech-Sektors essenziell ist. Die zahlreiche Ansiedlung von Hightech-Unternehmen insbesondere  in den Kommunen im Süd- und Nordosten der bayerischen Landeshauptstadt untermauern diese These.

Die starke Expansion des Hightech-Sektors - zunächst in der Landeshauptstadt München - hat zu einer immer stärker werdenden Konkurrenzsituation um hochqualifizierte Arbeitskräfte geführt sowie zu stetig steigenden Büromieten im Umland des Flughafens und der neuen Messe in München-Riem. Die aus dieser Entwicklung heraus resultierende Suburbanisierung, die kontinuierlich zunahm, hat dazu geführt, dass Hightech-Firmen sich später auch in den Gemeinden westlich von München angesiedelt haben. Auch dort stiegen die Quadratmeterpreise zunächst für Büros, später für Wohnimmobilien kontinuierlich an.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht mehr, dass der Landkreis München auf den mit Abstand höchsten Anteil an gut Verdienenden verweisen kann. Im Durchschnitt verdienten dort im Jahr 2008 26,1 % der Beschäftigten mehr als 50.000,- Euro im Jahr (unterjährige Beschäftigungsaufnahmen berücksichtigt) und in der Stadt München waren es immer noch 21,2 %. Der bayerische Durchschnitt betrug dabei nur 12,4 %.[5]

Im Tourismussektor ist Oberbayern ebenfalls bundesweit führend. Im EU-Vergleich belegt Oberbayern den Rang 16 (mit ca. 24 Millionen Übernachtungen) von den 20 Regionen mit den meisten Übernachtungen in der gesamten EU. Damit ist sie die erfolgreichste deutsche Region im EU-Vergleich. Somit ist auch der Tourismussektor ein wesentlicher Bestandteil der oberbayerischen Wirtschaft.

Angesichts dieser wirtschaftlichen Entwicklung wundert es auch nicht, dass insbesondere die Region München in fast allen Prognosen nach wie vor die besten Aussichten besitzt, die Nr. 1 im bundesweiten Wirtschafts- und Dynamikranking zu bleiben. 

Bildquelle Panorama München: Tourismusamt Muenchen